Gebrauchsanweisung Schweden


Ich hatte eine Villa in Schweden, am Ufer des Fryken in Värmland. Vom Fenster und von der Veranda war der See zu sehen, der in der Sonne hell aufschien. Vogelbeerbäume säumten eine Schneise im Wald. Solange der Nachbar die Schneise nicht zuwuchern ließ, wurde sie von Rehen genutzt, um in der Dämmerung zum Trinken ans Ufer zu ziehen. Wenn die Tannen nachts in der Spur des Mondes Schatten auf die Kiesel warfen und das Gras am Schuppen grau und verwittert aussah, wenn nach einer stürmischen Nacht Kastanienhülsen, Birkenzweige und die Blätter der Akazie über die Holzplanken der Veranda trieben und das Haus im blauen Licht wirkte wie der letzte, verlassene Ort, oder wenn an einem Frühsommermorgen der Tau die verrosteten Seile des Fahnenmastes im Garten versilberte und die Luft so klar war, dass sie schmerzend scharfe Bilder aus der Landschaft trieb, war es, als hätte bis zu diesem Moment jemand anderes mein Leben gelebt. Ich aber wäre die ganze Zeit hier gewesen....



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